
Die Dreifaltigkeits-Medaille von Hans Reinhart «dem Älteren» (um 1500/10 – 1581)
Angefertigt für den Herzog Moritz von Sachsen (1521-1553)
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1544 beauftragte Moritz von Sachsen den berühmten Leipziger Medailleur Hans Reinhart den Älteren, eine aussergewöhnliche Medaille zu schaffen, die die Spaltung des christlichen Glaubens verhindern sollte, indem sie beide Konfessionen – Katholiken wie Protestanten – an ihren gemeinsamen Glauben erinnerte.
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In den frühen Morgenstunden eines warmen und sonnigen Sommertages hätte der laute und fröhliche Gesang der Vögel ein Zeichen dafür sein können, dass ein friedlicher und bezaubernder Tag bevorsteht. Doch hörte man genauer hin, war inmitten dieses fröhlichen Gesangs ein leises, fast unhörbares Flüstern zu vernehmen: «Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist».
Diese wenigen Worte drangen durch ein kleines Fenster, das in der Nacht zum Garten hin offen gestanden hatte, um das bisschen frische Luft hereinzulassen, das es zu dieser Tageszeit gab. Im Innern in der dunkelsten Ecke des Raumes lag ein junger Mann Anfang 30 in einem Bett. An seiner Seite sass ein Prediger. Das Haar und der Bart des jungen Mannes glänzten noch kräftig in rötlichem Gold, doch die blasse Farbe seiner Haut und der Schmerz in seiner Stimme liessen keinen Zweifel aufkommen: Heute, am 11. Juli 1553, würde dieser junge Mann sterben. Zwei Tage zuvor wurde er durch einen Schuss in den Rücken schwer verletzt, als er seine Truppen in der Schlacht von Sievershausen bei Hannover anführte. Sein Name war Moritz, Herzog von Sachsen.
Nun, da sich sein Leben zu Ende neigte, wurde die eine Frage, die ihn sein ganzes Leben lang beschäftigte, drängender denn je: «Würde er als Protestant, als Katholik oder einfach als Christ sterben?»
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Seit Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine berühmten fünfundneunzig Thesen an die Tore der Allerheiligenkirche in Wittenberg nagelte, war dieser Teil des Heiligen Römischen Reiches zwischen dem alten katholischen und dem neuen protestantischen Glauben zerrissen. Auch Moritz wurde von diesem religiösen Dilemma nicht verschont. Obwohl er katholisch erzogen wurde, trat er zusammen mit seinem Vater zum neuen Glauben über. Als Herrscher von Sachsen war er jedoch hin- und hergerissen zwischen seinem Willen, Karl V., dem katholischen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, treu zu bleiben, und seiner Unterstützung für die «protestantische Sache».
Zehn Jahre zuvor, 1544, hatte Moritz von Sachsen den berühmten Leipziger Medailleur Hans Reinhart den Älteren beauftragt, eine aussergewöhnliche Medaille zu schaffen, die die Spaltung des christlichen Glaubens verhindern sollte, indem sie beide Konfessionen – Katholiken wie Protestanten – an ihren gemeinsamen Glauben an die Dreifaltigkeit Gottes und das Athanasische Glaubensbekenntnis erinnerte und so für die Einheit der Christenheit plädierte. So entstand die sogenannte Dreifaltigkeits-Medaille, die heute unbestritten als das grösste Meisterwerk der deutschen Renaissance-Medaillenkunst gilt.
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Die Dreifaltigkeits-Medaille von Hans Reinhart «dem Älteren». Leipzig um 1544. Silber 257 g.; Durchmesser 103 mm.
Die Vorderseite zeigt die Darstellung der Dreifaltigkeit Gottes, die im Deutschen als Gnadenstuhl bekannt ist. Gott Vater sitzt auf einem reich verzierten Thron und hält Reichsapfel und Zepter. Vor ihm befindet sich der gekreuzigte Jesus und über Jesus schwebt der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube, während Engel und Putten den Thron umgeben. Auf der Rückseite halten zwei stehende Engel eine grosse Schrifttafel, welche Ausschnitte aus dem berühmten Athanasischen Glaubensbekenntnis trägt.
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Diese grosse, in Hochrelief gegossene Silbermedaille ist nicht nur das Werk eines herausragenden Meisters, sondern kann auch als ein sehr wertvolles diplomatisches Geschenk angesehen werden, das in einem verzweifelten Versuch den Frieden zu sichern eingesetzt wurde, um einen der ersten Religionskriege zwischen Protestanten und Katholiken in Mitteleuropa zu verhindern.
Obwohl Moritz vergeblich auf eine friedliche Einigung hoffte und Europa in den folgenden Jahrzehnten durch die Religionskriege fast zerstört wurde, ist diese Medaille für uns heute ein aussergewöhnlicher Beleg. Sie zeugt vom Versuch, die Macht der Schönheit und der Kunst zu nutzen, um den Frieden zu sichern.
Die Medaille ist eine von schätzungsweise nur noch 15 existierenden Exemplaren, von denen sich heute 10 Exemplare in bekannten Museen und öffentlichen Sammlungen befinden.
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Diese seltene, zeitgenössische Gussmedaille ist Teil einer beeindruckenden Sammlung hochwertiger Medaillen, die in der kommenden Lugdunum Auktion 24, die am Donnerstag, 12. Dezember 2024 in Solothurn stattfinden wird, zum Verkauf angeboten werden.