Highlight aus der Lugdunum Auction 21

Die Pracht-Medaille

Eine kunstvolle Goldmedaille von Maria de Medici, 1610-1614

Frankreich. Königreich. Maria de Medici, 1575-1642.
Breite Gussmedaille, ohne Jahrgang. Maria de Medici als Königin Regentin von Frankreich, 1610-1614.
Guillaume Dupré zugesprochen; Ø 52 mm; 67.41g; Gold

Los 58  /  Schätzung CHF 50’000  /  Zuschlag CHF 110’000

Diese Pracht-Medaille wurde zwischen 1610 und 1614 für die Königin Regentin Maria de Medici, Mutter Ludwigs XIII., angefertigt. Sie wird dem berühmten Bildhauer und Medailleur Guillaume Dupré zugeschrieben. Nach unseren Kenntnissen ist diese Medaille das einzige bekannte, in Gold gegossene Exemplar. Somit ist sie weltweit in keiner Sammlung der wichtigen Museen ein zweites Mal zu finden.

In unserem Video stellen wir Ihnen die Eigenschaften der Medaille vor. Entdecken Sie mehr über ihre Seltenheit, ihre historische und numismatische Bedeutung sowie über ihren künstlerischen Wert.

Entdecken Sie die Medaille im Video

Dieses Video ist auch in Englisch und Französisch verfügbar.

Die Pracht-Medaille in Ihren Händen

Die Pracht-Medaille und Ihre Zeit

Text von Dr. Jonas Emmanuel Flueck

Medaillen dienten seit jeher dem Zweck der Kommunikation und Propaganda. Ihre Ikonografie und ihre Umschriften dienten als Werbefläche zur Verbreitung unmissverständlicher, manchmal aber auch unterschwelliger politischer Botschaften.

Aus den Händen eines guten Medailleurs zeigte die Vorderseite ein realistisches Abbild einer Person. Doch wurde sie von einem meisterhaften Künstler angefertigt, wie es hier der Fall ist, dann stellt sie mehr als eine Person dar: sie widerspiegelt sogar deren Charakter und Geist.

Diese Medaille ist ein einzigartiges, in Gold gegossenes Meisterwerk. Sie zeugt vom Zusammentreffen einer der ehrgeizigsten Königinnen Frankreichs und einer der brillantesten Künstler des frühen 17. Jahrhunderts.

Ikonografie

Die Medaille wurde zwischen 1610 und 1614 für die Königin Regentin Maria de Medici, Mutter Ludwigs XIII., angefertigt.
Sie wird dem berühmten Bildhauer und Medailleur Guillaume Dupré zugeschrieben.

Auf der Vorderseite sehen wir das prachtvoll ausgearbeitete Portrait der Königin nach rechts.
Die Rückseite zeigt einen Hahn in ländlicher Umgebung, der die Kerne eines Granatapfels pickt.

Seltenheit

Nach unseren Kenntnissen ist diese Medaille das einzige bekannte, in Gold gegossene Exemplar. Somit ist sie weltweit in keiner Sammlung der wichtigen Museen ein zweites Mal zu finden.

Künstlerische Leistung

Wie bereits erwähnt, wird diese Medaille Guillaume Dupré zugeschrieben. Er war Frankreichs angesehenster Medailleur seiner Zeit und ist dafür bekannt, die französische Medaillenkunst zum Höhepunkt geführt zu haben.

Nebst seinen beeindruckenden Arbeiten wird seine Bedeutung für die Numismatik und die Medaillenkunst dadurch verdeutlicht, dass einer der prächtigsten Empfangsräume der alten französischen Münzpräge-Anstalt in Paris, der Monnaie de Paris, nach ihm benannt ist.

Unter der Regentschaft von Maria de Medici, wurde Dupré 1611 ins Amt des premier sculpteur du Roi erhoben. Das Amt des offiziellen Bildhauers und Medailleurs der königlichen Familie, entsprach der höchsten Stellung, die man als Bildhauer innehaben konnte. Da diese Medaille seiner Königin und Mäzenin gewidmet ist erklärt, weshalb Guillaume Dupré sein ganzes Können in diese Medaille steckte.

Der Louvre und seine Galerien, Ausschnitt

Interessant ist auch, dass Dupré zu den ersten Künstlern gehörte, die in den von Heinrich IV. erbauten Galerien des Louvre königliche Unterstützung erhielten. Dort, in unmittelbarer Nähe zur königlichen Familie, befanden sich seine Werkstatt und sein Schmelzofen, und dort muss diese Medaille hergestellt worden sein. Schriftliche Quellen erzählen sogar davon, wie der Kronprinz Ludwig, späterer König Ludwig XIII., gerne in den Galerien spielte und von Dupré lernte, mit Lehm zu modellieren.

Vor diesem Hintergrund können wir uns die Atmosphäre künstlerischer Kreativität vorstellen, die in den Galerien des Louvre herrschte. Hier, wo unter der Schirmherrschaft der königlichen Familie die Werkstätten talentierter Künstler lagen, entstand ein kreatives Zentrum, das nebst anderen Meisterwerken diese prachtvolle Medaille hervorbrachte.

Was diese Medaille so einzigartig und attraktiv macht ist das hohe Relief, welches die Büste der Königin Regentin auf der Vorderseite zeigt und der Detailreichtum ihrer herrschaftlichen Gewänder und ihrer sorgfältigen und aufwendigen Frisur.

Bei genauer Betrachtung erkennen wir, dass der Künstler die kleinsten Details der mit Spitzen besetzten Gewänder sorgfältig ausarbeitete, um den Ausdruck von Reichtum und die vornehme Eleganz der Medaille hervorzuheben.

Eine Medaille dieser Qualität konnte deshalb nur einem Meister der Gusstechnik wie Guillaume Dupré gelingen, vor allem wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, Gold zu giessen. Sie ist ein einzigartiges Zeugnis des herausragenden Könnens eines französischen Künstlers aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Als gegossene Medaille ist sie, neben anderen Medaillen von Dupré, aber auch eines der letzten Zeugnisse der Renaissance-Medaillenkunst, die mehr als ein Jahrhundert zuvor in Italien geboren wurde. Einer Kunst, welche die Monarchen jener Zeit beeindruckte und ihrer Selbstdarstellung schmeichelte.

Symbolkraft

Das aussergewöhnliche Portrait von Maria de Medici offenbart ihr ehrgeiziges und temperamentvolles Wesen in perfekter Weise. Wenn wir sie betrachten, lassen sich drei Aspekte ihrer Persönlichkeit erkennen:

Der erste Aspekt ist ihre Herkunft –
‚Florentinisch prachtvoll‘

Maria wurde 1575 in Florenz als sechstes Kind des Grossherzogs der Toskana geboren und wuchs in grossem Wohlstand auf.

Nachdem ihr Vater und seine Geliebte mit Gift ermordet wurden, galt Maria als reichste Erbin Europas und wurde im Jahr 1600 mit dem französischen König Heinrich IV. vermählt.

Der eigentliche Grund für diese Ehe war der überaus grosse Brautschatz den sie mitbrachte. Nach Ankunft am französischen Hof verspottete man sie deshalb als ‚la grosse banquière‘, ‚das fette Bankierweib‘.

Der zweite Aspekt ist –
ihr auffälliges Streben nach politischem Einfluss

Hier bewundern wir Maria de Medici auf dem Höhepunkt ihrer Macht, wie sie, stellvertretend für ihren noch minderjährigen Sohn Ludwig, als Königin Regentin die Staatsgeschäfte lenkt. Diese Führungsposition strebte sie seit langem an.

Währenddem sie sich nach ihrer Vermählung mit Heinrich IV. 10 lange Jahre gedulden musste, um 1610 endlich zur Königin von Frankreich gekrönt zu werden, musste sie nur einen einzigen weiteren Tag warten, um an die Macht zu kommen. Denn am Tag nach ihrer Krönung wurde der König ermordert.

Maria de Medici, Königing von Frankreich -
Porträt von Frans Pourbus dem Jüngeren

Zahlreiche Gerüchte über ihre Verwicklung in die Ermordung des Königs liessen Zweifel an der Legitimität ihrer Regentschaft aufkommen.

Um ihre unsichere Stellung deshalb zu festigen entschied sie sich dazu, Reichtum als Grundlage für ihre Legitimität und Politik zu verwenden. Zur Schau gestellter Reichtum bestimmte fortan ihre ganze Erscheinung. Deshalb ist diese Medaille so prunkvoll geschaffen, wie auch die meisten gemalten Porträts von Maria de Medici, besonders diejenigen vom Maler Frans Pourbus dem Jüngeren.

Das unermüdliche Machtstreben sollte aber bald Anlass zu zahlreichen Konflikten mit ihrem ältesten Sohn Ludwig geben.

So verweigerte sie es am Ende ihrer Regentschaft 1614, ihrem mittlerweile volljährigen Sohn die Krone zu übertragen. Erst 3 Jahre später und mit Waffengewalt gelang es ihrem Sohn Ludwig XIII., die ihm zustehende Krone zu gewinnen. Maria wurde daraufhin sogar vom französischen Hof verbannt. Ihr begieriges Machstreben verleitete sie sogar dazu, eine Armee aufzustellen, um Ludwig zu stürzen und ihn durch seinen jüngeren Bruder Gaston zu ersetzen.

Marias Ehrgeiz wird schliesslich dazu führen, dass sie 1630 ein zweites Mal verbannt wird, obwohl sie sich vorher mit Ludwig versöhnte. Es wird das letzte Mal sein, dass sich die beiden begegnen. Sie stirbt 12 Jahre später, 1642 im Alter von 67 Jahren, einsam und verarmt in Köln im Haus des Künstlers Paul Rubens, ohne ihren Sohn jemals wieder gesehen zu haben.

Der dritte Aspekt ist –
ihr Selbstverständnis

Ganz in der prachtvollen Medici Tradition wusste Maria genau, wie sie Kunst und Kunsthandwerk dazu einsetzten konnte, ihre Autorität zu verherrlichen und ihrer Politik zu dienen.

Diese Strategie ist ebenfalls erkennbar in den 24 Gemälden, welche sie dem Maler Rubens in Auftrag gab und die ihren neu erbauten Palast, den Palais du Luxembourg, schmückten.

Diese Medaille fasst alles zusammen was eine prächtige und ehrgeizige Königin ausmacht. Denn kein geringerer als Meister Guillaume Dupré selbst und kein anderes Metall als Gold vermögen, einer so starken Frau wie Maria de Medici gerechter zu werden.

Eine Medaille mit berühmter Provenienz

Martine, Comtesse de Béhague, 1870-1939

Diese Medaille ist Teil einer kleinen Gruppe von herausragenden Medaillen, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der berühmten französischen Kunst-Sammlerin, Numismatikerin und Mäzenin Martine, Comtesse de Béhague, 1870-1939, zusammengetragen worden sind.

Die Medaillen wurden in der Lugdunum Auktion 21 im Spätfrühling 2021 versteigert.

Der Einlieferer hat entschieden, den Erlös aus dem Verkauf der Medaille für den Wiederaufbau und die Renovation der Kathedrale Notre-Dame de Paris zu spenden.

Kathedrale Notre Dame in Paris