Highlight aus der Lugdunum Auction 21

Die Justitia Medaille

Eine seltene Goldmedaille
von Ludwig dem Dreizehnten

Frankreich. Königreich. Louis XIII., 1610-1643. Breite goldene Gussmedaille, 1623.
Zur Erinnerung an das Ende des ersten Hugenotten-Aufstands und den anschliessenden Friedensvertrag von Montpellier.
Guillaume Dupré zugesprochen. Ø 62 mm; 116.39 g.

Los 59  /  Schätzung CHF 50’000  /  Zuschlag CHF 150’000

Die Justitia Medaille oder La Médaille de Justice wurde 1623 von Guillaume Dupré, premier sculpteur du Roi, für König Louis XIII. hergestellt. Sie erinnert an das Ende der ersten Hugenotten-Aufstände, die zwischen 1620 und 1622 im Südwesten Frankreichs wüteten. Bemerkenswert ist, dass diese Medaille eines von nur 2 bekannten Exemplaren in Gold ist und in den Sammlungen der wichtigsten Museen weltweit fehlt.

In unserem Video stellen wir Ihnen die Eigenschaften der Medaille vor. Entdecken Sie mehr über ihre Seltenheit, ihre historische und numismatische Bedeutung sowie über ihren künstlerischen Wert.

Entdecken Sie die Medaille im Video

Dieses Video ist auch in Englisch und Französisch verfügbar.

Die Justitia Medaille in Ihren Händen

Die Justitia Medaille und Ihre Zeit

Text von Dr. Jonas Emmanuel Flueck

In vergangenen Zeiten war Gold stets das bevorzugte Metall, aus dem wertvolle und bedeutende Auszeichnungen angefertigt wurden. Goldmedaillen waren sowohl für den Empfänger als auch für den Spender Ausdruck höchster Anerkennung und Statussymbol zugleich.

Doch der ebenfalls hohe Sachwert einer Goldmedaille führte dazu, dass im Laufe der Geschichte unzählige davon in den Schmelzöfen talentierter Goldschmiede verschwanden. Es ist deshalb ein seltenes Wunder, dass diese grosse und schwere Goldmedaille die Zeiten überdauerte. Sie zeugt vom Reichtum des frühen 17. Jahrhunderts und von den Erfolgen eines, von der Geschichtsschreibung oftmals kaum beachteten, französischen Königs.

Guillaume Dupré

Wie bereits erwähnt, wurde die Medaille 1623 von Guillaume Dupré, premier sculpteur du Roi, für König Ludwig XIII. hergestellt. Sie erinnert an das Ende der ersten Hugenotten-Aufstände, die zwischen 1620 und 1622 im Südwesten Frankreichs wüteten.

Möglicherweise wurde sie vom König persönlich einer Person, die an seiner Seite kämpfte, als Auszeichnung für besondere Tapferkeit und Ergebenheit überreicht. Die wertvolle Goldmedaille trägt Fassungsspuren, die darauf hindeuten, dass sie zur Schau gestellt wurde. Eine Sitte, die damals verbreitet war.

Seltenheit

Bemerkenswert ist, dass diese Medaille eines von nur 2 bekannten Exemplaren in Gold ist und in den Sammlungen der wichtigsten Museen weltweit fehlt. Das andere bekannte Exemplar in Gold war einst Teil der renommierten Sammlung des französischen Schauspielers und Kunstsammlers Sacha Guitry. Es wurde 1963 in einer ‘Emile Bourgey Auktion’ in Paris versteigert. In dieser bekannten und bedeutenden Auktion galt die Medaille damals als eines der Highlights.

Ikonografie

Vorderseite

Die Vorderseite zeigt die drapierte Büste des jungen, bartlosen Königs in Rüstung mit Blick nach rechts.

Auf der Rückseite sehen wir Justitia, Sinnbild der Gerechtigkeit. Sitzend, nach rechts, trägt sie die Attribute Richtschwert und Waage.

Rückseite

Ein Leben zwischen starken Persönlichkeiten

Interessant ist auch, dass diese Medaille König Ludwig XIII. als selbstbewussten und beeindruckenden Mann zeigt. Denn Ludwig XIII. steht immer wieder im Schatten mehrerer herausragender Persönlichkeiten seiner Zeit:

Armand-Jean du Plessis, 1er Duc de Richelieu, 1585-1642

So wird er zwischen seinem charismatischen Vater König Heinrich IV., auch bekannt als Heinrich der Grosse, seiner ehrgeizigen und lieblosen Mutter Maria de Medici, dem einflussreichen Kardinal Richelieu sowie seinem berühmten Sohn und späteren Nachfolger Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, von der Nachwelt meist kaum und oft herabwürdigend wahrgenommen.

Dass man Ludwig XIII., der in den Geschichtsbüchern und der Literatur ausschliesslich als scheu, melancholisch und kränklich beschrieben wird, über die Darstellung auf dieser Medaille jedoch in einem ganz anderen Licht sieht, macht diese Medaille so besonders.

Hier bestaunt man einen jungen und stolzen militärischen Führer in Rüstung, der das Zeichen eines Oberbefehlshabers trägt. Seine majestätische Erscheinung wird durch die Grösse und das Gewicht der Medaille und die verschwenderische Verwendung von Gold betont.

Als die Medaille angefertigt wurde, meisterte Ludwig XIII. bereits zahlreiche Vorfälle, die nur ein charakterstarker Mann überwinden konnte.

Im Alter von 9 Jahren verlor er durch ein Attentat seinen geliebten Vater, König Heinrich IV., der von François Ravaillac, einem religiösen Fanatiker, in einer engen Pariser Strasse ermordet wurde.

Erst 16-jährig, schickte Ludwig seine Mutter Maria de Medici, die als Königin Regentin die Staatsgeschäfte führte, ins Exil und befahl die Ermordung Concino Concini’s, dem Günstling seiner Mutter.

Heinrich IV. - König von Frankreich, 1594-1610
Maria de Medici, 1575-1642

In diesen harten, aber aus Ludwigs Sicht notwendigen Entscheidungen, sah er die Lösung. Nur so konnte er sein Recht ‘als König zu herrschen’ wahrnehmen und sein ‘von Gott gegebenes Schicksal’ erfüllen.

Mit 19 Jahren musste Ludwig mit Waffengewalt eine infame Verschwörung niederschlagen. Seine eigene Mutter wollte ihn mit Hilfe einer Armee stürzen, um seinem jüngeren Bruder Gaston die Krone zu übertragen.

Ein derartiger Krieg zwischen Mutter und Sohn war in der Geschichte Frankreichs bisher noch nie dagewesen. Und er war erst 22 Jahre alt, als diese Medaille, die das Ende des ersten Hugenotten-Aufstands feiert, hergestellt wurde. Als Kommandant kämpfte er mutig auf dem Schlachtfeld und lebte im Militärlager unter seinen Soldaten.

Symbolkraft

La Medaille de Justice

Die Rückseite der Medaille ist der Gerechtigkeit gewidmet.

Die allegorische Figur der Justitia sitzt auf einem massiven Thron, der Stabilität und Beständigkeit symbolisiert. In ihrer linken Hand hält sie die Waage, Sinnbild des gerechten Urteils, und auf ihrem rechten Arm ruht das Richtschwert, das des Königs höchste richterliche Gewalt zum Ausdruck bringt.

Wenn wir diese Darstellung betrachten, erkennen wir zwei Botschaften:

Die erste Botschaft erinnert an den ausgleichenden Friedensvertrag von Montpellier, der das Ende des ersten Hugenotten-Aufstands im Jahr 1622 regelte.

Der Vertrag bestätigte das Edikt von Nantes, auch bekannt als das Toleranzedikt, schränkte aber die politischen und militärischen Rechte der Hugenotten ein. Zum Ausgleich aber erlaubte er den Hugenotten, den reformierten Glauben weiterhin frei auszuüben.

Die allegorische Figur der Justitia

Die zweite Botschaft lobt den König und seinen Beinamen: Louis le Juste – Ludwig der Gerechte

Zusätzlich zu den bereits erwähnten Darstellungselementen, ist ein kleines Symbol oberhalb der sitzenden Justitia zu erkennen. Innerhalb einer kleinen Sternengruppe befindet sich eine weitere Waage, die das Sternzeichen ‘Libra’ auch bekannt als ‘Waage’ symbolisiert. Die Waage war Ludwigs Sternzeichen und einer der Gründe, weshalb er bereits als Kind den Beinamen Ludwig der Gerechte trug.

Künstlerischer Wert

Vorderseite trägt die Signatur von Guillaume Dupré

Die Medaille wurde von Guillaume Dupré angefertigt, einem der berühmtesten und talentiertesten französischen Medailleure des 17. Jahrhunderts. Er war in der französischen Medaillenherstellung der letzte Vertreter der italienischen Renaissance-Tradition.

Diese Justitia Medaille wurde mit Hilfe einer Technik erstellt, die aus Italien stammte und seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert für die Herstellung von Meisterwerken der Medaillenkunst verwendet wurde.

Wer die Kunst des Giessens beherrscht, so wie es hier der Fall ist, dem gelingt es, eine Medaille herzustellen, die durch scharfe Details und ein hohes Relief beeindruckt.

Aussergewöhnlich ist auch die Verwendung von Gold. Denn im Gegensatz zu Bronze, die allgemein zur Herstellung von Medaillen verwendet wurde, war Gold im Gussverfahren sehr schwierig zu verarbeiten.

Eine derart beeindruckende Arbeit konnte deshalb nur einem wahren Meister gelingen. Und deshalb können wir davon ausgehen, dass der Meister Guillaume Dupré persönlich diese Medaille anfertigte. Ein wahres Meisterwerk der Medaillenkunst erschaffen von den Händen eines herausragenden Künstlers.

Numismatische Bedeutung

Meister Guillaume Dupré bekleidete nebst dem Amt des premier sculpteur du Roi ebenfalls das Amt des contrôleur des poinçons et effigies. Er trug somit die Verantwortung für die Herstellung sämtlicher öffentlicher Porträts, welche für die Münzprägung verwendet wurden.

Dies erklärt auch weshalb, nebst anderen Medaillen von Dupré, diese Medaille als Vorlage für die offiziellen Porträts auf einigen Münzen von Ludwig XIII. dienten.

Die Medaille dient als Vorlage für weitere Münzbilder
Die Medaille im Grössenvergleich zur damalig grössten Goldmünze, dem Ecu d'or

Mit einem Gewicht von knapp 120 Gramm entspricht die Medaille dem Wert von fast 35 Ecus d’or, der damals grössten französischen Goldmünze.

Dies unterstreicht die besondere Bedeutung dieser wertvollen Auszeichnung und lässt uns mit Respekt und Anerkennung die Regierungszeit von Louis le Juste bewundern.

Eine Medaille mit berühmter Provenienz

Martine, Comtesse de Béhague, 1870-1939

Diese Medaille ist Teil einer kleinen Gruppe von herausragenden Medaillen, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der berühmten französischen Kunst-Sammlerin, Numismatikerin und Mäzenin Martine, Comtesse de Béhague, 1870-1939, zusammengetragen worden sind.

Die Medaille wurde in der Lugdunum Auktion 21 im Spätfrühling 2021 versteigert.

Der Einlieferer hat entschieden, den Erlös aus dem Verkauf der Medaille für den Wiederaufbau und die Renovation der Kathedrale Notre-Dame de Paris zu spenden.

Kathedrale Notre Dame in Paris